Tobasci in Gambia

In Gambia gibt es nur wenige Christen, dennoch ist Weihnachten für alle arbeitsfrei und wird gemeinsam von der christlichen Minderheit und der moslemischen Bevölkerungsmehrheit gefeiert. Umgekehrt nehmen auch die Christen immer Teil an den moslemischen Festen. Das wichtigste ist das Opferfest, in Gambia Tobasci genannt. Es wird zum Höhepunkt der jährlichen Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka, gefeiert. Lange vorher beherrschen die Vorbereitungen auf Tobasci das Leben der Menschen. Wer es sich leisten kann, der opfert ein Tier und natürlich kann es sich fast jeder irgendwie leisten - ein Vorschuss auf den Lohn, ein Verwandter in Europa, der Geld schickt, oder man borgt sich etwas von Freuden. Im ganzen Land werden nun Hammel verkauft und jeder ist darauf bedacht, ein möglichst großes und fettes Exemplar zu erwischen. Die ganze Familie wird neu eingekleidet und etwa eine Woche vor dem Fest herrscht im ganzen Land ein freudig erregter Ausnahmezustand. Kinder gehen nicht mehr zur Schule, Menschen bleiben der Arbeit fern, weil jeder sich auf das große Fest vorbereitet und (fast) jeder hat Verständnis dafür.

Am Morgen des Tobasci Festes gehen alle festlich gekleidet zum Gebet in die Moschee oder auf einen der großen Gebetsplätze. Anschließend gehen die Familien nach Hause, schlachten ein Tier und bereiten das Festessen zu. Ein Teil des Fleisches soll an Arme und Hungernde verteilt werden. Den ganzen Tag besuchen sich Verwandte, Nachbarn und Freunde gegenseitig. Überall bekommt man zu Essen, manchmal auch ein Stück Fleisch zum Mitnehmen.

Die Kinder ziehen durch die Straßen und rufen „Salibo“. Sie bekommen dann von den Erwachsenen Münzen und Süßigkeiten zugesteckt. Wenn sie genügend Geld gesammelt haben, gehen sie Eis essen. Da es in Gambia nicht sehr viele Eisdielen gibt, sieht man überall festlich gekleidete Kinder die Straßen entlang spazieren. Manche gehen viele Kilometer weit und nicht selten finden sie nicht mehr zurück. Dann zeigt der einzige Fernsehsender des Landes abends Fotos von gefundenen und vermissten Kindern, die im Laufe der Nacht alle irgendwie wieder dorthin gelangen, wo sie hingehören.

Erst Tage nach dem großen Fest kehrt langsam wieder Normalität ein. Die Erwachsenen gehen wieder zur Arbeit, die Kinder wieder zur Schule und jeder freut sich schon auf das nächste Tobasci Fest.