10. June 2006

Richtungweisend gegen Kinderarbeit - Disha

Die Arbeit des Projektes Disha (Hindi für „Richtung“) richtet sich vorrangig gegen Kinderarbeit und ihre Auswirkungen auf die im Projekt lebenden Kinder und Familien.

Disha liegt im Bezirk Firozabad im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh, etwa 200 Kilometer von New Delhi und 40 Kilometer von Agra und dem Taj Mahal entfernt. Firozabad ist ein ländlich geprägter Bezirk mit etwa 1,6 Millionen Einwohnern. In der gleichnamigen Bezirkshauptstadt leben etwa 300.000 Menschen, davon beinahe zwei Drittel unter dem Existenzminimum. Die Menschen verdienen ihren bescheidenen Lebensunterhalt überwiegend mit der Herstellung von Schmuck und anderen Gegenständen aus Glas. Zwei Drittel aller indischen Glaswaren werden in Firozabad hergestellt, was der Stadt den Beinamen „The glass city“ - die Glasstadt - einbrachte.

Probleme im Projekt Disha

CCF arbeitet in 35 Slums Firozabads mit niedrigstem Einkommen. Dort kommt Kinderarbeit besonders häufig vor. 90 Prozent aller Haushalte leben von der Herstellung von Glasreifen. Die meisten Familien haben etwa 20 Euro oder weniger im Monat zur Verfügung. Da das zum Leben nicht reicht, sind viele Familien verschuldet bei Glasfabrikbesitzern, Zwischenhändlern oder lokalen Kredithaien, die die Misere der Menschen gnadenlos ausnützen. Die Wasserversorgung ist schlecht in diesen Vierteln und sanitäre Einrichtungen sind kaum vorhanden, auch gibt es bisher keine Lösung für die Müllbeseitigung. Nur wenige Hütten verfügen über Elektrizität, so dass die meisten Haushalte Diesel oder Kerosin zum Kochen und Arbeiten verwenden, was nicht selten zu schweren Unfällen mit fürchterlichen Verbrennungen führt. Darüber hinaus leidet mehr als die Hälfte der arbeitenden Kinder an Rückenschmerzen, Atembeschwerden, Verdauungsstörungen oder chronischer Müdigkeit. Fast 70 Prozent der Kinder sind unterernährt, Tuberkulose ist weit verbreitet. Ziele des Projektes - Nachhaltige Abschaffung von Kinderarbeit in der Gegend - Verbesserung der sozioökonomischen Verhältnisse der Familien - Bessere Gesundheitsversorgung - Verbesserung der Ausbildung - Sicherere Lebensbedingungen für alle Kinder und Familien.

Achtung und Umsetzung der Kinderrechte

Dieses Ziel soll erreicht werden durch die Schaffung von Alternativen zur Kinderarbeit. Die Kinder können zur Schule gehen, denn alle damit verbundenen Kosten werden gedeckt. Des weiteren erhalten sie ausgewogene Ernährung und werden medizinisch versorgt. Diese Maßnahmen entlasten die Eltern und machen eine Mitarbeit der Kinder zunehmend unnötig, doch reicht das natürlich noch nicht aus. Für die Eltern müssen gute alternative Verdienstmöglichkeiten geschaffen werden. Außerdem muss in den Familien zunächst ein Bewusstsein für erziehungs-, ernährungs- und gesundheitsbezogene Themen entstehen. Wichtig ist, dass die Eltern erkennen, dass eine gute Ausbildung für ihre Kinder der Schlüssel zum Ausbruch aus dem Teufelskreis der Armut ist. Bisher können nur etwa die Hälfte aller Erwachsenen in der Region lesen und schreiben, der Anteil bei den Frauen beträgt nicht einmal 30 Prozent. Erwachsenenbildung ist deshalb wichtiger Bestandteil des Projektes. Da es wenig motivierend ist, Kinder, die jahrelang gearbeitet haben, mit viel kleineren zusammen in die erste Klasse zu schicken, werden sie in Sonderschulen auf die Teilnahme an altersgerechtem Unterricht in staatlichen Schulen vorbereitet. Neben der schulischen Ausbildung spielt die praktische Berufsausbildung eine zentrale Rolle. Kinder- und Jugendgruppen beteiligen sich an den Entscheidungsprozessen im Projekt und bestimmen so mit über ihre eigene Zukunft. Diese Gruppen überzeugen auch andere Kinder und Jugendliche von der Wichtigkeit des Schulbesuchs und informieren sie über ihre Rechte. Zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit von Kindern und Erwachsenen, zur Reduzierung von Kinder- und Müttersterblichkeit und zur endgültigen Abschaffung von Kinderehen finden Ernährungs-, Hygiene- und Familienberatung statt. Speziell geschulte Projektbewohner machen Hausbesuche, um den Ernährungsstand der Kinder regelmäßig zu überprüfen und nötigenfalls sofort mit Aufbaunahrung oder Medikamenten eingreifen zu können. Frauenselbsthilfe- sowie Spargruppen werden gegründet. Menschen, die kaum einmal ihre vier Wände verlassen haben, lernen in der Gruppe, ihre Rechte und Wünsche anderen gegenüber durchzusetzen und besser mit Geld umzugehen. Neben einer Verbesserung der Wasserversorgung und der hygienischen Bedingungen soll auch ein System zur Registrierung von Geburten und Todesfällen eingeführt werden. Staatliche Registrierung ist nämlich Voraussetzung dafür, Lebensmittelkarten und damit vergünstigte Nahrungsmittel zu bekommen. Insgesamt 8.750 Familien und damit mehr als 41.000 Menschen profitieren vom Projekt Disha.